1&1 Vertragsänderung ohne Widerrufrecht?
Dienstag, 06.Mai.2008 | Autor Mo | Rubrik: PC & Co.Gestern suchte ein User im Forum von Teltarif Hilfe. Und zwar wollte der User den Tarif "City-Flat" auf "1&1 Surf & Phone Komplett" umstellen. Das macht Sinn, zumal kein Telefonanschluß mehr nötig ist und insgesamt die festen Kosten sinken. Allerdings ist der Tarifwechsel mit einer neuen Mindestlaufzeit von 24 Monaten versehen und Call-by-Call ist nicht mehr möglich.
Die Nachteile erkannte der Kunde von 1&1 erst, als er den Tarifwechsel veranlasst hatte. Also wollte er innerhalb von 30 Minuten einen Widerruf per Fax veranlassen. Doch er hat nicht mit 1&1 gerechnet. Die Firma antwortet promt:
Sehr geehrter Herr donglengcha,
vielen Dank für Ihr Schreiben.
Das Widerufsrecht besteht bei Neuabschluss eines Vertrages. Bei Ihrem Tarifwechsel handelt es sich um eine von Ihnen beauftragte Inhaltsänderung im Rahmen eines bestehenden Vertragsverhältnisses. Daher besteht leider kein Widerrufsrecht.
Bitte haben Sie Verständnis.
Mit freundlichen Grüßen
Vertragskundenservice1&1 Internet AG
Der Kunde versuchte die Situation telefonisch zu klären und ist laut seiner Aussage vor einer Mauer gefahren.
Eines ist Fakt: Hinter einem Tarifwechsel steckt in Wirklichkeit ein neuer Vertrag. Zumal auch eine neue Mindestvertragslaufzeit mit dem Wechsel verbunden ist. Und da es ein Online-Abschluß ist, unterliegt dies dem Fernabsatzgesetz. Bedeutet also, es gibt ein Widerrufsrecht.
Da der Kunde nun so verärgert wurde, will er erst recht den alten Vertrag zurück und will zum Ende des Jahres den Vertrag kündigen.
Vermutlich hätte 1&1 den Kunden halten können, wenn diese sich fair verhalten hätten. So geht Umsatz verloren.
Nun ist der User im Forum anonym, wodurch die Überprüfbarkeit der Daten eingeschränkt ist. Allerdings ist das, was er schreibt, typisch für 1&1. Das kenne ich aus Erfahrung mit anderen Kunden. Das ist auch oft genug bei der Fachpresse erwähnt worden (z.B. Heise). Warum müssen Kunden immer wieder entweder zu den Medien oder zu Anwälten laufen, damit diese von ihrem Recht Gebrauch machen können?
Und 1&1 ist kein Einzelfall. Gerade im Telekommunikationsmarkt erlebt man diese kundenfeindliche Art immer wieder. Ob es Eplus-Base ist, welcher FlatRate Kunden kündigt, die FlatRate auch als solche nutzen. Oder nachweisbar fehlerhafte Rechnungen, die nicht geändert werden, wie bei der Telekom. Der zukünftige Kunde wird heiß umworben und viel Zucker wird in den Popo gepustet und ist der Kunde im Netz, wird er behandelt, wie Dreck.
Eine anständige Kundenbindung durch Service ist billiger, als wenn ein Neukunde gewonnen wird. Darüber sollten die Jungs der Leitungen mal nachdenken, oder?
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Hallo, ich hatte das gleiche Problem. Besonders schockierend fand ich, dass ich in dem Verkaufsgespräch (natürlich vor der Aufzeichnung) dreimal auf mein Widerrufsrecht hingewiesen worden bin. Ich habe mir die Bestellung später anders überlegt und innerhalb der Frist widerrufen. Darauf kam die wortgleiche eMail von 1und1. (Wahrscheinlich intern eine one-click-Lösung) Ich habe erst sauer reagiert und bekam eine zweite Absage vom “Kundenservice”. Dann habe ich mit einem qualifizierten anwaltlichen Schreiben reagiert und schwupps, Widerruf akzeptiert und Kündigung bestätigt. Geht doch! Leider nur mit Anwalt. Traurig für 1und1!!
Schade, hätte ich den Kommentar früher gelesen, dann wäre ich jetzt nicht auch in diese Falle getappt. Mit der Vertragsänderung verlängert sich der eigentliche Vertrag mit 1und1 um ganze 24 Monate. Widerrufsrecht = Fremdwort.
…und Fazit 1und1 ist nicht zu empfehlen, aber wie heisst es so schön aus Fehlern wird man schlau. Jetzt hab ich jedenfalls Zeit mir ganz genau die Konkurrenten unter die Lupe zu nehmen. Am besten man kündigt jeden geschlossenen Vertrag gleich wieder und steigt dann als Neukunde wieder ein, da hast du eh die besseren Konditionen, als sie der treue Kundenstamm bekommt.
Hallo Lars,
soeben finde ich oben “meinen” Fall . Ich freue mich natürlich, dass Du ihn aufgenommen hast. Wie richtig bemerkt, wäre ich liebend gerne Kunde geblieben, da ich weder über die Dienstleistung noch über die Preise des Anbieters klagen könnte und der Anbieter sicherlich ebenfalls ob meines geringen Datenaufkommens noch langjährig profitiert hätte.
So führte mich mein Weg verärgert über die Verbraucherzentrale zum Anwalt, der dann erst im zweiten Schreiben eine Einigung erziehlen konnte (Widerruf abgelehnt, später Angebot Vertragsbeendigung zum Ende der ursprünglichen Vertragslaufzeit). Die Aktion hat mich etwa 120 EUR Anwaltskosten und einige Nerven gekostet, was ich aber gerne bezahlt habe, um mich nicht zwei weitere Jahre über den ungeliebten 1&1-Vertrag zu ärgern. Mittlerweile ist meine gesamte Familie zu einem etwas T-eureren aber sicherlich freundlicheren Anbieter gewechselt. Service soll sich schließlich bezahlt machen.
[...] Außerdem ein Beitrag eines anderen Opfers 1&1 hier. [...]
ich wurde gezwungen von freenet zu 1&1 zu gehen. Freenet wurde an 1 &1 verkauft.
Seit ca. 14 Tagen geht mein Tel. und mein Fax nicht mehr. Nur mein Internet ist o.k.
Kein Technuker kann helfen, jeder sagt etwas anderes. Hatte auf Anraten sogar ein neues Telefon kaufen müssen (altes ev. kaputt). Stimmt alles nicht. Morgen geht das neue Telefon
wieder zurück zu Saturn.
Jetzt will man mir einen neuen Tarif aufschwatzen, d. bedeutet neuer Vertrag 2 Jahre. Ich weiß nicht weiter. Werde dies aber nicht tun. Eventuell muß ich 1 Jahr bis z. Kündigung durchhalten und bezahlen. Habe dann eben nur ein Handy. Alles zusätzliche Kosten – aber was tun.
Ich will wieder zur guten alten Telekom wechseln
Hallo Anna,
das gleiche Problem hatten meine Nachbarn vor ca. einem halben Jahr. Durch die Umstellung freenet -> 1und1 war ein Firmwareupdate des Telefon/ DSL Routers nötig. Evtl. gibt es Infos im Kundenportal von 1und1 darüber.